Archiv für die Kategorie ‘Kirche & Glaube’

Rechtfertigt die Bibel Selbstmord?

März 2, 2012



Gibt es in der Bibel Passagen die Selbstmord gutheißen?

Mt 18,6 Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist. 

Mk 9,42 Und wer einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde. 

Lk 17,2 Es wäre besser für ihn, dass man einen Mühlstein an seinen Hals hängte und würfe ihn ins Meer, als dass er einen dieser Kleinen zum Abfall verführt.

Heißt dies, wenn jemand andere Menschen aktiv in Gefahr bringen würde, wo er Leib, Seele oder seine Rettung im Himmel zerstört. Darf dann dieser (ggf. siehe oben) aus christlicher Sicht sich selbst Umbringen? 

Da Jesus dies ja selbst gesagt hat.

Selbstmord ist für uns Christen unter keinen Umständen ein angemessener und richtiger Weg, denn „keiner von uns lebt sich selber und keiner stirbt sich selber: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn“ (Römerbrief 14,7-8)..

Solche Worte Jesu wie das von Ihnen angeführte, in denen man seinen lodernden Eifer für den himmlischen Vater wie auch für das Heil der Menschen über die Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg spürt. Je größer und tiefer die Frohbotschaft, desto eindringlicher die Warnung, dass man das geschenkte Heil auch wieder verlieren kann! Dies erklärt auch die drastische Formulierung: Wer einen „Kleinen“ – damit ist an dieser Stelle nicht das Kind gemeint, sondern der Jünger Jesu, der Gläubige – in seinem Glauben erschüttert und so dessen ewiges Heil gefährdet, dem drohen schreckliche Konsequenzen. Dieser Schrecken ist so groß, dass es für den Betreffenden sogar noch besser wäre, mit einem Mühlstein (gemäß dem griechischen Urtext mit einem besonders großen und schweren) um den Hals ins Meer versenkt zu werden – obwohl er auf diese Weise nicht einmal mehr ordnungsgemäß bestattet werden kann. Jesus spricht solche Warnungen nicht leichtfertig aus; wir tun gut daran, sie sehr ernst zu nehmen.

Allerdings: Jesus nennt (geschweige denn empfiehlt) die Ertränkung nicht als vorbeugende, das Ärgernis vermeidende Maßnahme, sondern illustriert mit ihr den Ernst der Folgen. Ähnlich gibt Christus ja auch keinen Freibrief für Selbstverstümmelungen, wenn er (bei den Evangelisten Markus und Matthäus) gleich darauf rät, Hand oder Fuß abzuhauen und das Auge auszureißen, falls man durch diese zum Bösen verführt wird (Matthäusevangelium 18,8-9). Die Kirche lehnt vielmehr „direkt gewollte Amputationen, Verstümmelungen oder Sterilisationen“ als Verstoß gegen das sittliche Gesetz ab (Katechismus der Katholischen Kirche 2297). Auch hier dienen die drastischen Worte als stilistisches Mittel, die schlimme Gefahr der Verführung zu Glaubensabfall und Sünde zu verdeutlichen.

Selbstmord ist für uns Christen unter keinen Umständen ein angemessener und richtiger Weg, denn „keiner von uns lebt sich selber und keiner stirbt sich selber: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn“ (Römerbrief 14,7-8). „Gott ist und bleibt der höchste Herr des Lebens. … Wir sind nur Verwalter, nicht Eigentümer des Lebens, das Gott uns anvertraut hat. Wir dürfen darüber nicht verfügen“ (Katechismus der Katholischen Kirche 2280). Niemand hat ein stärkeres Zeugnis gegen den Verzweiflungsakt des Suizides abgelegt als Christus selbst, der das unbedingte Vertrauen auf Gott den Vater, die vollständige Geborgenheit in seinem Willen lehrte und lebte. Wer tatsächlich fürchtet, zum Anstoß für seine Mitchristen zu werden, findet in der Kirche vielfältige Hilfen, etwa in Gestalt erfahrener und einfühlsamer geistlicher Begleiter und Beichtväter.

Die Familie – unsere Zukunft?

Februar 9, 2012



In Deutschland gibt es immer weniger Eheschliessungen. Die Familienstruktur ist im Wandel:

Kardinal Meisner, liegt für Sie in der Familie die Zukunft unserer Gesellschaft?

Ich möchte an dieser Stelle allen Müttern und Vätern danken, die durch ihre Liebe und Treue zueinander und zu ihren Kindern unschätzbaren Dienst an der Menschheit leisten.

Die erste und ursprünglichste aller Gemeinschaften ist die Gemeinschaft von Vater, Mutter und Kind. Gott, der Schöpfer hat es so angelegt, dass Kinder aus der Liebe von Mann und Frau hervorgehen und in dieser Gemeinschaft wachsen und heranreifen. Die unschätzbare Bedeutung einer stabilen Familie für das Heranwachsen der Kinder ist unbestritten. Hier erfahren die Kinder ganz unmittelbar Geborgenheit und Liebe. Gewissermaßen erlernen die Kinder in der Familie das „Menschsein“, indem sie hier ganz selbstverständlich auch die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens erlernen. Wir sind als Menschen keine Einzelwesen, sondern aufeinander verwiesen. Das „Ich“ kann ohne ein „Du“ nicht existieren. Füreinander einzustehen lernen Kinder in der Familie ebenso wie einander zu verzeihen. Zu Recht kann man die Familie in diesem Sinne als Schule des Lebens und der Liebe bezeichnen. Sie ahnen, welche „Hypothek“ ein Kind durchs Leben tragen muss, wenn diese Erfahrungen fehlen.

Die Familie ist aber auch Keimzelle und Grundlage der Kirche. Chris-tus selbst hat die meiste Zeit seines irdischen Lebens, nämlich ca. 30 Jahre, in einer Familie gelebt. Er galt als der Sohn des Zimmermanns, berichtet uns das Evangelium. Er lebte mit Maria und Josef in Naza-reth. Christus verzichtete in seinem Leben auf vieles und am Ende auf alles, doch nicht auf seine Familie. In einer gläubigen Familie lernen Kinder ganz selbstverständlich Gott kennen und lieben. Der Glaube fällt ja nicht vom Himmel. Wenn ich frage, woher ich meinen Glauben habe, muss ich auf andere Menschen zeigen, und hier insbesondere auf meine Eltern. So ist eine christliche Familie auch ganz natürlich der Ort, an dem Kinder in die Gottesbeziehung hineinwachsen und mit ihr aufwachsen.

Kirchenaustritt gleich Exkommunikation?

Januar 20, 2012



In Deutschland wird insbesondere die Erklärung des Kirchenaustritts bei der zuständigen staatlichen Stelle als Grund für die Exkommunikation gewertet. Diese Praxis wurde durch eine Stellungnahme des päpstlichen „Rates für die Gesetzestexte“ in Frage gestellt, die diese Erklärung alleine nicht als ausreichend ansieht.

Setzt sich die DBK nicht über das Kirchenrecht hinweg, indem sie das Ausbleiben der Kirchensteuer mit Glaubensabfall gleichsetzt? Ist also der Mammon wichtiger als der Glaube?

Letztlich geht es um weit mehr als nur um das Geld:

Es heißt im kirchlichen Gesetzbuch (CIC): „Die katholische Kirche hat das angeborene Recht, unabhängig von der weltlichen Gewalt, Vermögen zur Verwirklichung der ihr eigenen Zwecke zu erwerben, zu besitzen, zu verwalten und zu veräußern.

Die eigenen Zwecke aber sind vor allem: Die geordnete Durchführung des Gottesdienstes, die Sicherstellung des angemessenen Unterhalts des Klerus und anderer Kirchenbediensteter, die Ausübung der Werke des Apostolats und der Caritas, vor allem gegenüber den Armen.“ can. 1254

Und in can. 222 § 1 heißt es: „Die Gläubigen sind verpflichtet, für die Erfordernisse der Kirche Beiträge zu leisten, damit ihr die Mittel zur Verfügung stehen, die für den Gottesdienst, die Werke des Apostolates und der Caritas sowie für einen angemessenen Unterhalts der in ihrem Dienst Stehenden notwendig sind.“

Das Erstaunliche an dieser Debatte ist für mich, dass die Jahrzehnte lang von den meisten Fachleuten in Deutschland vertretene und in der Praxis unserer kirchlichen Verwaltung durchgängig angewandte Rechtsvermutung des Kirchenaustritts als mindestens schismatischer Akt (mit den entsprechenden Rechtsfolgen) nun als unhaltbar erklärt wird. Natürlich ist nicht jede Kirchenaustrittserklärung eine Trennung von der Kirche, z. B. wenn ein Vater einfach seine Kinder mit abmeldet und auch seine Frau nötigt, die Austrittserklärung zu unterschreiben etc. Aber mich wundert doch sehr, dass die Kirchenaustrittserklärung auf einmal geradezu haarspalterischen Distinktionen unterworfen oder insgesamt bagatellisiert wird. Manche tun so, als ob sie in den allermeisten Fällen nicht der Schlusspunkt einer langen Entfremdungsgeschichte von der Gemeinschaft der Kirche wäre und nicht den Willen besiegelte, „mit diesem Verein nichts mehr zu tun zu haben“.

Das Opfer Christi – unsere Erlösung

Januar 16, 2012



Auch rein theologische Fragen schaffen es die Abstimmung auf direktzu/Kardinal zu gewinnen:

Wie ist das unblutige und mystisch vergegenwärtigte Opfer zu verstehen?

Denn wir als Katholiken wissen, dass Christus in jeder heiligen Messe von Neuen stirbt in der Vergegenwärtigung des einen Opfer am Kreuz auf Golgatha. Aber gleichzeitig wissen wir Katholiken das man nicht glauben darf das Christus immer wieder stirbt, denn einmal gestorben stirbt Jesus Christus nicht mehr.

Das historische Opfer Christi am Kreuz ist ein Geschehen der Vergangenheit; es kann und muss nicht wiederholt werden.

Das historische Opfer Christi am Kreuz ist ein Geschehen der Vergangenheit; es kann und muss nicht wiederholt werden. Aber das Heil, das Christus uns so erworben hat, wird uns immer wieder neu zugewendet und somit ohne zeitliche Begrenzung zuteil. Als unser Herr uns versprach, er werde bei uns sein „alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Matthäusevangelium 28,20), da galt dies auch und in besonderer Weise für seine wirkliche, heilbringende und stets heutige Gegenwart in der Eucharistie.

Christus geht es ebenso wenig um bloße Erinnerung. Als er im Abendmahlssaal die Eucharistie einsetzt, da geschieht dies im Vorgriff auf sein blutiges Opfer am Kreuz. Dieses genügt ganz und gar für unsere Erlösung, braucht also keine Erweiterung, Ergänzung oder Wiederholung.

Kann ich denn glücklich sein, wenn meine Freunde in der Hölle gelandet sind?

Dezember 5, 2011

Wenn es im Sinne der Freiheit des Menschen eine Hölle gibt, und sich beispielsweise meine Freunde dazu entscheiden “dort” hinzu”gehen”, wie kann ich dann im Himmel glücklich sein, wo doch im Himmel “alle Tränen getrocknet” werden sollen”? Kann ich im Himmel denn vollständig glücklich sein, wenn meine Freunde in der Hölle gelandet sind?

Der Kardinal schreibt:

Ihre Frage nach Himmel und Hölle bewegt viele Menschen, weil sie der Gegenwart ein Gewicht gibt, das sich in der Ewigkeit auswirkt. Dazu kommt dann noch die Überlegung: Wenn Gott die Liebe ist, kann er doch nicht Menschen verdammen. Als Gott den Menschen ins Dasein rief, ist er ein großes Risiko eingegangen. Gott ist die Liebe. Und mit der Liebe im Bereich des Irdischen ist immer die Freiheit verbunden.

Wenn ich gezwungen werde, einen Menschen zu bejahen, dann ist das Zwang, aber keine Liebe. Wenn ich gezwungen werde, einen Menschen zu bejahen, dann ist das Zwang, aber keine Liebe. Zur Liebe gehört immer die Freiheit und darum auch die Wahlmöglichkeit, entweder „Ja“ zu sagen oder „Nein“ zu sagen. Und Gott nimmt sich in uns Menschen und damit uns Menschen so ernst, dass er unsere Entscheidung akzeptiert, koste es, was es wolle. Um den Menschen von einer negativen Entscheidung zu befreien, hat es ihn am Kreuz das Leben gekostet. Gott aber verdammt den Menschen nicht, sondern der Mensch verdammt sich selbst. Und dann kann Gott das nur schmerzlich hinnehmen.

Gott wird denen in der Ecke sagen: „Euer Wille geschehe!“ – Das ist die Hölle. Und denen am gemeinsamen Tisch wird er sagen: „Euer Wille geschehe auch!“ – Und das ist der Himmel. Und echte Liebe spielt nicht, sondern sie sucht die Verendgültigung. Darum gibt es keine Liebe auf Probe, keine Ehe auf Probe, kein Priestertum auf Probe, sondern stets „für immer“. Deshalb ist das Leben eine großartige Chance, aber mit Konsequenzen bis in die Ewigkeit. Gottes Liebe spielt nicht mit uns. Gott nimmt uns ernst. Und der Mensch will ja ernst genommen werden, weil er Ebenbild Gottes ist.

Wasser predigen und Wein trinken?

November 18, 2011



Kein Thema wurde kontroverser diskutiert, wie die Beteiligung der katholischen Kirche am Verlag Weltbild:

Obwohl der “Weltbild”-Verlag der Kirche gehört, verkauft er Porno-Bücher. Kann, nein darf da sein?

Die persönliche Antwort von Kardinal:

Die von Ihnen gestellte Frage zum Thema Weltbild bewegt mich ebenfalls – und dies nicht erst in den letzten Wochen. Vielmehr drängt das Erzbistum Köln seit Jahren darauf, sich so bald wie möglich von der Verlagsgruppe Weltbild zu trennen.

Diese Probleme sind erst in den letzten Jahren entstanden, erfordern nun aber ein entschiedenes Handeln, zu dem ich für das Erzbistum Köln fest entschlossen bin.

Konservative Katholiken und ihre Webseiten

Juli 11, 2011

Wie steht der Kardinal Meisner zur website www.kreuz.net und den dort verbreiteten Positionen, zu den dort schreibenden traditionalistischen Lesern und zur Piusbruderschaft?

Der Kardinal schreibt:

„kreuz.net“ ist ausdrücklich keine offizielle Internetplattform der katholischen Kirche, sondern nach eigenen Angaben eine private Initiative. Das „Impressum“ der Seite spricht für sich; dort heißt es: „‘kreuz.net’ ist die Initiative einer internationalen privaten Gruppe von Katholiken in Europa und Übersee, die hauptberuflich im kirchlichen Dienst tätig sind. ‘kreuz.net’ akzeptiert ohne Namen eingereichte Informationen und betrachtet es als Ehrensache, die strikte Anonymität seiner Informanten zu wahren.“

Die Betreiber bleiben ungenannt. Sitz der Betreiber – und auch das ist bemerkenswert – ist in den USA und damit außerhalb des deutschen Rechtsraumes. Dieser Umstand nimmt uns die Möglichkeit, den Gebrauch der Selbstbezeichnung „katholisch“ zu unterbinden. Damit ist klar, dass hier Privatleute aus der Deckung der Anonymität heraus ihre private Meinung äußern. Der Sprachstil vieler Beiträge zeigt schon für sich genommen die große Distanz zur Katholischen Kirche und ihren Amtsträgern. In Ihrem Beitrag nennen Sie selbst einige Beispiele, die für sich sprechen. Daher kann ich mich von „kreuz.net“ nur distanzieren. Ich selbst lehne den gehässigen und beleidigenden Stil vieler Beiträge auf dieser Website strikt ab. Seitens des Erzbistums Köln gibt es aus diesem Grund selbstverständlich keinerlei Zusammenarbeit mit „kreuz.net“.

Internetseiten wie diese machen die Chancen, aber auch die Risiken der modernen, grenzenlosen Kommunikation deutlich. Das Internet bietet uns hervorragende Möglichkeiten des Austauschs, gerade auch als Kirche. Es überwindet Grenzen und Kontinente und ist deshalb für die weltumspannende Kirche ein willkommenes Instrument der Verständigung. Das Internet eröffnet einen großen Freiheitsraum, erfordert aber zugleich auch ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein. Offensichtlich betrachten jedoch manche Nutzer das Internet als gleichsam rechtsfreien Raum.
Internetnutzer müssen deshalb ein gutes Gespür für die Vertrauenswürdigkeit dieser Kommunikationsformen entwickeln. Wie im zwischenmenschlichen Austausch, gibt es dafür auch auf Internetseiten einige Indizien: Offenheit und Toleranz für die Meinung des anderen; die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit anderen Ansichten; das Benennen von Informationsquellen; die klare Erkennbarkeit der eigenen Identität; ein einladender Stil in Form und Inhalt, der auf jede Form der Ausgrenzung verzichtet – um nur einige zu nennen.

Diese Aspekte erfüllen eigentlich erst den Sinn eines Austauschforums wie dem Internet. Vor allem entsprechen sie dem christlichen Verständnis von wahrhaft menschlicher Kommunikation. Deshalb dürfen wir in dieser Hinsicht besondere Anforderungen an katholische Websites stellen. Letztlich müssen sie den Anspruch erkennen lassen, mit den heutigen technischen Mitteln der Verkündigung der Frohbotschaft zu dienen.


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