
Die deutschen Arbeitnehmer verzichten auf Gehaltserhöhungen und helfen in schweren Zeiten ihren eigenen Unternehmen. Was haben die eigentlich davon?
Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat Daten zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im Gesamtjahr 2011 veröffentlicht. Das reale Bruttoinlandsprodukt legte im abgelaufenen Jahr um 3,0% gegenüber dem Vorjahr (+3,7%) zu. Deutschland ächzt unter Riesen Schulden, Kommunen können nicht mal mehr die Strassen in Ordnung halten. Schulen verkommen, für Bildung und Kultur wird so wenig wie selten ausgegeben …
Wo bleibt das gestiegene BIP? Sicherlich nicht in der Lohntüte oder bei den durchschnittlichen Arbeitnehmern und Familien?
Die Entwicklung der Einkommen in Deutschland durchläuft seit ein paar Jahren eine ambivalente Entwicklung. Die Kluft zwischen den Netto Einkommen wird größer. Die Anzahl der Menschen, die ein hohes Durchschnittliches Einkommen im Jahr erreichen, bleibt dabei jedoch nahezu konstant. In der gleichen Geschwindigkeit steigt aber auch die Zahl derer, dessen Einkommen unter der Hälfte vom Durchschnittlichen Einkommen in Deutschland liegt. Seit 1998 ist auffällig, das zwar das Durchschnittliche Einkommen in Deutschland gestiegen ist, jedoch die Einkommen nicht mehr gleichmäßig über alle Einkommensbezieher verteilt ist, sondern sehr starke Schwankungen in der Einkommenshöhe vorliegen. Dies hat vor allem seine Ursache in der Zunahme der geringfügigen Beschäftigung und der Teilzeitarbeit. Wofür die USA beispielhaft standen – die Kluft zwischen Arm und Reich wird jedes Jahr größer – ist auch in der Bundesrepublik zu bestaunen.
Leider ist die Antwort aus dem Kanzleramt nur die ewige Wiederholung:
Ziel der Bundesregierung ist es, soziale Unterschiede abzubauen und für alle Teile der Bevölkerung einen angemessenen Lebensstandard zu sichern. Deshalb ist es um so erfreulicher, dass es gelungen ist, die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf ein 20-Jahrestief zu drücken. Zum Jahresende 2011 arbeiteten rund 41,6 Millionen Erwerbstätige in Deutschland, soviel wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Diese positive Entwicklung am Arbeitsmarkt wird sich auch 2012 fortsetzen.
Was die Lohnentwicklung angeht, sagt das Statistische Bundesamt entgegen Ihren Vermutungen, dass die Reallöhne seit Ende 2009 sehr wohl gestiegen sind: allein in den letzten drei aufgelisteten Quartalen 2011 um 2,0; 1,9 und um 0,6 Prozent.
Die Bundesregierung sorgt zudem dafür, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Lohnerhöhungen in voller Höhe behalten. Durch die sogenannte kalte Steuer-Progression gehen ihnen sonst rund sechs Milliarden Euro pro Jahr verloren. Denn die kalte Progression bringt dem Staat Mehreinnahmen, die vom Gesetzgeber letztlich so nicht gewollt sind. Es sind verdeckte Steuererhöhungen, ohne dass der Gesetzgeber tätig wird. Die Bundesregierung hat deshalb jetzt einen Gesetzentwurf gegen diese Ungerechtigkeit beschlossen.